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Direkte und indirekte Zitate – Anwendung in wissenschaftlichen Arbeiten

Veröffentlicht
24.06.2021
Erneut
14.10.2021

Direkte und indirekte Zitate: Die Kenntlichmachung von fremder Arbeitsleistung in wissenschaftlichen Arbeiten stellt eine grundsätzliche Bedingung an die betreffenden Verfasser dar. Für die entsprechenden Forschungsergebnisse wurde oftmals viel Zeit aufgewendet und nicht selten entstanden hierbei beträchtliche Kosten.

Die erhaltenen Ergebnisse sind schließlich als geistiges Eigentum anzusehen und eine falsche oder fehlende Kenntlichmachung kann zu schweren Vorwürfen, bis hin zum Plagiat führen. Dies wiederum kann sogar zur Aberkennung eines erlangten Abschlusses führen, selbst über den Tod des Verfassers hinaus.

Eine klare Differenzierung von eigener und fremder Leistung ist also auch im Interesse des Verfassers. Zudem erlaubt diese dem Betreuer eine realistische Einstufung und Benotung der geleisteten Arbeit und erzielten Ergebnisse. Dabei bezieht sich diese Bewertung grundsätzlich auf die Eigenleistung und die Umsetzung der Vorgaben. Eine fehlerhafte Zitierweise kann also gleich in beiderlei Hinsicht negativ ausgelegt.

Die Unterscheidung von direktem und indirektem Zitat ist hierbei elementar für eine Betonung der eigenen Herleitungen und Argumentationsketten. Bei zielgerichteter und effizienter Einsatzweise erlaubt sie eine gezielte Verstärkung der eigenen Behauptungen oder kann diese an passender Stelle verdeutlichen.

Direkt und indirekt – kein kleiner Unterschied

Direkt und indirekt – kein kleiner Unterschied

  • Direkte Zitate: Direkte Zitate stellen einen wörtlichen Übertrag von der entsprechenden Quelle dar. Dabei wird an der betreffenden Stelle abgeschrieben und die Formulierungen ohne Veränderungen übertragen. Sollten Änderungen zwingend notwendig werden, müssen diese im kleinsten Detail kenntlich gemacht werden. Die Verwendung sollte auf Einzelfälle und besonders wichtige Aussagen beschränkt werden.
  • Indirekte Zitate: Diese geben den Wortsinn der zitierten Stelle wieder. Dabei muss der ursprüngliche Sinn erhalten bleiben, dieser kann und sollte jedoch in den eigenen Worten des Verfassers abgefasst werden. Indirekte Zitate kommen in wissenschaftlichen Arbeiten deutlich häufiger vor als direkte Zitate und erlauben neben Zusammenfassungen und Querbezügen auch Vergleiche zwischen verschiedenem Quellenmaterial.

In welchen Fällen verwendet man die beiden Zitatformen jeweils passend?

Die Frage, wann besser ein direktes oder ein indirektes Zitat in die Arbeit integriert wird, lässt sich nicht generell beantworten. Grundsätzlich sollte dabei jedoch eine Abwägung der Bedeutung des entsprechenden Zitats in Relation zum flüssigen Lesefluss gemacht werden. Dementsprechend sollten direkte Zitate generell nur zur Verdeutlichung von besonders zentralen Aussagen oder Positionen genutzt werden.

Einen übermäßigen Einsatz werten viele Korrektoren oftmals als mangelnde Eigenleistung. Im Gegensatz hierzu sind indirekte Zitate nicht nur für die Verdeutlichung der eigenen Argumentation wichtig, sondern erbringen auch den Nachweis, dass die betreffende Textstelle richtig verstanden wurde. Gerade dies spiegelt sich in Bezug auf die Benotung der Arbeit wider und stellt eine Grundvoraussetzung an die Qualität der erbrachten Leistung dar.

Allgemein kann für die meisten Anwendungsfälle nach folgendem Schema vorgegangen werden:

Direkte Zitierweise:

  • bei einem berühmten Ausspruch oder Sinnspruch
  • bei einer klaren und prägnanten Aussage, Zusammenfassung oder Wertung
  • wenn das Zitat selbst Gegenstand der eigenen Untersuchung oder Argumentation ist

Indirekte Zitierweise:

  • generell zur Kenntlichmachung einer fremden Urheberschaft
  • bei Zusammenfassungen oder Vergleichen fremder Ergebnisse
  • um die eigenen Argumente und Ergebnisse in Bezug zu Fremdmaterial zu setzen

Korrekte Anwendung

Korrekte Anwendung

Direktes Zitat: Bei direkten Zitaten muss generell ein wörtlicher Übertrag der ursprünglichen Formulierung erfolgen. Dies bezieht sich auch auf etwaige Fehler, alternative Schreibweisen oder Formulierungen. Jegliche Änderung muss umfassend kenntlich gemacht werden. Zudem werden je nach verwendeter Zitierweise direkte Zitate oftmals in Anführungszeichen gesetzt oder auch kursiv formatiert. Dies gilt ebenfalls, wenn ein einzelner Begriff oder Ausspruch in den eigenen Satzbau integriert wird. In den meisten Fällen kennzeichnet man Änderungen durch den Einsatz von eckigen Klammern.

Beispiel:

Die Existenzberechtigung und zugleich den Zweck der Logik liefert Kutschera in Bezugnahme auf die Ergebnisse Freges mit folgenden Worten: „Um dies Ideal einer deduktiv systematisierten Wissenschaft zu erreichen, benötigt man wiederum eine strenge Schlußlehre, benötigt also die Ergebnisse der Logik.“ (Kutschera 1967, S. 5)

Änderung zugunsten der Lesbarkeit mit entsprechender Kennzeichnung:

„Um dies[es] Ideal einer deduktiv systematisierten Wissenschaft zu erreichen, benötigt man wiederum eine strenge Schlußlehre, benötigt also die Ergebnisse der Logik.“ (Kutschera 1967, S. 5)

Die Abwandlung wird in eckigen Klammern und durch Weglassen der kursiven Formatierung gekennzeichnet. Dies gilt sowohl bei grammatikalischen Änderungen, wie auch bei der Hinzufügung von Pronomen, um die sinngemäße Wiedergabe sicherzustellen. Auch die Anpassung der Groß-/Kleinschreibung ist entsprechend zu dokumentieren.

Auslassung und entsprechende Kenntlichmachung:

„Um dies Ideal einer deduktiv systematisierten Wissenschaft zu erreichen, benötigt man […] also die Ergebnisse der Logik.“

Die Auslassung wird durch drei Punkte in eckigen Klammern symbolisiert. Wird gleichzeitig eine Hinzufügung eines Pronomens nötig, ist dies in separaten Klammern ebenfalls kenntlich zu machen.

Schreibfehler und alte Rechtschreibung:

Im Original vorkommende Schreibfehler können durch die Hinzufügung von [sic] oder oftmals auch [sic!] an betreffender Stelle kenntlich gemacht werden. Dies entstammt dem Lateinischen und bedeutet sinngemäß „wirklich so“ oder in vollständiger Schreibweise („sic erat scriptum“) „so stand es geschrieben“.

In Fällen, in denen noch die alte Rechtschreibung zum Einsatz kommt, wie im Beispiel bei „Schlußlehre“ wird für gewöhnlich keine entsprechende Kenntlichmachung vorgenommen.

Besonders wichtige oder lange Zitate:

Zitate mit elementarer Bedeutung für die eigene Arbeit oder bei einer Wortlänge über 40 Wörter hinaus, werden zumeist in einem eigenen Absatz angeführt. Daneben werden sie mindestens einen Zentimeter zu beiden Seiten eingerückt.

Indirektes Zitat: Die Verwendung von indirekten Zitaten ist für den Studierenden deutlich einfacher und von weniger starren Regeln geprägt. Das macht sie jedoch nicht minder wichtig und die korrekte Kennzeichnung stellt eine grundlegende Bedingung an die Qualität einer wissenschaftlichen Arbeit dar.

Dabei kann der Inhalt sinngemäß wiedergegeben werden, wobei eine Umformulierung oder auch Kombination von verschiedenen Quellen möglich ist. Der Verweis auf die originale Textstelle erfolgt durch das Voranstellen von „vgl.“ für „vergleiche“ vor den Kurzbeleg oder die Quellenangabe in der Fußnote.

Dadurch lassen sich fremde Ergebnisse oder Aussagen flüssig in die eigene Argumentation einbauen. Eine anschließende Validierung durch die Prüfung der angeführten Textstelle ermöglicht es, dem Korrektor oder interessiertem Leser dann die eigene Behauptung nachzuvollziehen. Dabei wird zudem im Rahmen eines durch Studierende abgefassten Textes, das allgemeine Verständnis und die korrekte Abfassung des Exzerpts geprüft.

Beispiel:

Plack gibt hierbei als erstes Anzeichen für den beginnenden Verfall einer Gesellschaft die Abkehr von Gemeinschaftssinn und gegenseitiger Unterstützung an. (vgl. Plack 1977, S. 270)

Zur generellen Anwendung:

Natürlich gilt in beiden Fällen als grundlegende Voraussetzung, dass das Zitat niemals entgegen der Intention der ursprünglichen Verfasser eingesetzt werden darf. Indirekte Zitate richtig anzuwenden, ohne den ursprünglichen Sinn zu verändern oder gar zu verfälschen, stellt die Grundbedingung für eine fehlerfreie Anwendung dar. Die Intention des ursprünglichen Verfassers abzuwandeln, würde nicht nur eine fehlerhafte Quellenangabe bedeuten, sondern auch vom mangelnden Verständnis des Materials zeugen.

Das Literaturverzeichnis

Das Literaturverzeichnis

Im Literaturverzeichnis werden die verwendeten Quellen aufgeführt und alphabetisch geordnet. Der Zweck dieser Aufstellung ist es, die Überprüfbarkeit durch andere Personen, insbesondere einen Korrektor, sicherzustellen.

Diesbezüglich variieren die nötigen Angaben je nach verwandter Zitierweise. Generell sollte jedoch eine zweifelsfreie Identifikation der konkreten Quelle gewährleistet werden. Dies bezieht sich im Besonderen auf Texte, die beispielsweise mehrfach übersetzt oder in überarbeiteten Auflagen erschienen sind. Eine Unterscheidung zwischen direkten und indirekten Zitaten und entsprechend genutzten Quellen findet dort nicht statt. Diese Unterscheidung wird ausschließlich an der betreffenden Textstelle vorgenommen, um sowohl den Einfluss wie auch den Umfang deutlich hervorzuheben.

Verschiedene Zitierweisen und individuelle Vorgaben

Verschiedene Zitierweisen und individuelle Vorgaben

An Hochschulen werden die zu verwendenden Zitierweisen oftmals vorgegeben und können selbst unter den Fachbereichen stark variieren. Die bekanntesten Zitierweisen stellen dabei die Harvard-Zitierweise und die deutsche Zitierweise dar. Letztere wird oftmals gerne als „Fußnoten-Zitierweise“ bezeichnet. Darüber hinaus gibt es jedoch noch weitere Formen wie etwa die APA-Zitierweise, zu deren korrekter Anwendung ein ganzes Regelwerk mit Vorschriften und Vorgaben existiert.

Lokale Abwandlungen oder Vorgaben der Hochschule können zudem ganz individuelle Formen annehmen. Daher ist es wichtig, sich mit etwaigen Einschränkungen und festen Vorgaben zu beschäftigen. Sollte die Hochschule keine Zitierweise vorschreiben, können Studierende selbst eine Form wählen, die ihnen am stärksten zusagt.

Von Bedeutung ist hierbei, das einmal gewählte Schema stringent durchzuhalten. Wie bereits erwähnt, ist die korrekte und nachvollziehbare Umsetzung eines Zitierschemas essenzieller Betrachtungspunkt einer korrekten und fairen Bewertung. Dementsprechend gilt für eine wissenschaftliche Arbeit während des Studiums, besonders bei der Abschlussarbeit, die korrekte Anwendung der Zitierweise als grundlegende Voraussetzung.

Eine frühzeitige und umfassende Beschäftigung mit der Thematik erlaubt es, die betreffenden Quellen gezielt zu sondieren und entsprechend auszuwählen. Die Entscheidung, ob ein Zitat direkt oder indirekt eingebracht wird, kann für die gesamte Gliederung essenzielle Bedeutung haben und sollte bereits frühzeitig bedacht werden.

Dadurch kann eine Argumentationskette gezielt geschaffen, beeinflusst oder auch durchbrochen werden, um die angestrebte Kernaussage der wissenschaftlichen Betrachtung deutlich herauszustellen.

Prof. Dr. Conrad Rüth

Autor, Doctor

Coach, Professor Doktor Conrad Rüth hat Professur für Internationale Wirtschaftsbeziehungen bekleidet und Lehrstuhlvertretungen in Frankfurt und Berlin innegehabt. Jetzt leitet er den Akademily Blog sowie alle Veröffentlichungen, Änderungen und Sonderaktionen auf unserer Webseite.