Yandex.Metrika
Logo

Harvard-Zitierweise richtig anwenden

Veröffentlicht
11.06.2021
Erneut
14.10.2021

Die Harvard-Zitation ist auch unter weiteren Namen bekannt, darunter die beschreibende Form als „Autor-Jahr-Zitierweise“ oder auch schlicht als „amerikanische Zitation“. Grundsätzlich ist sie als Zitierweise im Fließtext gedacht, die nur durch Verweise auf das vollständige Literaturverzeichnis arbeitet.

Dadurch soll der Lesefluss erleichtert werden und es wird nur in Ausnahmefällen auf die zusätzliche Verwendung weiterer Anmerkungen, beispielsweise in Fußnoten, zurückgegriffen. Das bedeutendste Argument für die Harvard-Zitierweise ist dabei die äußerst hohe Verbreitung in der akademischen Welt rund um den Globus. Dies begründet sich vorwiegend durch ein relativ offenes Grundgerüst der geltenden Regeln.

Damit bietet diese Zitierweise die Möglichkeit, nach den lokalen Gepflogenheiten angepasst zu werden. Was sich zunächst durchweg positiv anhört, gerät jedoch oftmals auch schnell zu einer individuellen Version einer Hochschule, die nur noch auf einem originalen Grundgerüst basiert. Entsprechend unumgänglich ist es, vor der Umsetzung nochmals einen endgültigen Blick in die Zitier-Richtlinien der jeweiligen Hochschule zu werfen.

Als eine allgemeine Einführung, sowie zur Verwendung im Rahmen der eigenen Recherche, werden jedoch folgend die für gewöhnlich geltenden Regeln zusammengefasst. Wichtig ist wie bei jeder Form der Zitation jedoch vor allem, diese Regeln auch einheitlich und umfassend beizubehalten.

Warum sollte man die Harvard-Zitierweise nutzen?

Warum sollte man die Harvard-Zitierweise nutzen

Das vordergründige Argument für die amerikanische Zitierweise ist ihre weite Verbreitung, vor allem im Bereich der Natur-, Geistes und Sozialwissenschaften und das nicht nur im anglofonen Sprachraum. Ihre Vorzüge zeigt diese Form der Quellenangabe vor allem bei der Bewertung oder dem Vergleich von umfassendem Quellenmaterial.

Insbesondere, wenn dieser Vergleich oder auch die Weiterführung der Ergebnisse Gegenstand der eigenen wissenschaftlichen Arbeit ist. Dabei behindert diese Zitierform den Lesefluss möglichst wenig, sondern verweist nur auf das Literaturverzeichnis, in welchem umfassende Informationen zum Quelltext gegeben werden.

Da viele Hochschulen oder wissenschaftliche Fachgebiete eine Form der Zitierweise vorgeben, ist der Studierende oftmals nicht in seiner Wahl frei. Während andere Formen der Quellenangabe jedoch recht starre Systeme, mit eigenen regelmäßigen Publikationen darstellen, ist die tatsächlich angewandte Autor-Jahr-Zitierweise oftmals eine eigens angepasste Variante.

Diese bedient sich dabei neben den allgemeinen Grundregeln der Harvard-Zitierweise weiterer Zusatzregeln. Deswegen wird oftmals auch vom „Harvard Style“ gesprochen. Entsprechend ist eine abschließende Aussage über die geltende Vorgabe der Zitierform tatsächlich immer erst nach einem Blick in die Angaben der betreffenden Hochschule möglich.

Grundregeln der Harvard-Zitierweise

Grundregeln der Harvard-Zitierweise

Dennoch sind einige allgemeingültige Grundregeln in Bezug auf den Harvard-Style gegeben. Diese bieten einen gemeinsamen roten Faden, welcher es ermöglicht, die individuellen Abweichungen schnell zu adaptieren. Darin liegt entsprechend die weitreichende Verbreitung begründet und es erlaubt dem Leser gleichsam eine entsprechend schnelle Identifizierung der genannten Quellen.

Die Quellen werden direkt im Fließtext gekennzeichnet. Dabei wird in Klammer zunächst der Nachname des Autors und das Jahr der Veröffentlichung genannt, gefolgt von der Seitenangabe. Es wird für gewöhnlich entweder nach der Jahreszahl ein Doppelpunkt eingefügt oder ein Komma in Kombination mit einem „S.“ für Seite.

Schema:

(Nachname Veröffentlichungsjahr: Seite)

oder

(Nachname Veröffentlichungsjahr, S. Seite)

Beispiele:

„Mehr sag ich nicht, doch sag ich nicht zuviel.“(Dante 1974: 17)

oder

„Mehr sag ich nicht, doch sag ich nicht zuviel.“(Dante 1974, S. 174)

Grundsätzlich sollte innerhalb einer Arbeit dabei jedoch stets eine Form gewählt und auch beibehalten werden.

Sollten zwei Autoren mit gleichem Nachnamen und übereinstimmendem Veröffentlichungsjahr genutzt werden, wird durch den abgekürzten ersten Buchstaben des Vornamens nach dem Nachnamen die Möglichkeit der Unterscheidung gewährleistet.

Wird mehr als eine Quelle vom selben Autor, aus demselben Jahr genutzt, so wird an die Jahreszahl ein Kleinbuchstabe (a, b, c, …) zur Unterscheidung angehängt. Dies geschieht sowohl im Text als auch im Literaturverzeichnis.

Direkte und indirekte Zitate

Direkte und indirekte Zitate

Insbesondere wenn ein entsprechendes Zitat unverändert in einen eigenen Kontext eingebunden wird, ist es wichtig, die Quelle klar als solche kenntlich zu machen. Wird dabei der Wortlaut vollständig übernommen, spricht man von einem direkten Zitat. Dieses wird durch Anführungszeichen gekennzeichnet. Wird der Gedankengang des ursprünglichen Autors in die eigene Überlegung einbezogen, spricht man von einem indirekten Zitat. Letzteres wird dabei mittels eines vorgestellten „vgl.“ für „vergleiche“ gekennzeichnet.

Beispiel direktes Zitat:

Dabei wird der Begriff des Symbols für „einen Gegenstand der Außenwelt im weitesten Sinne des Wortes“ (Schütz 1974, S.166) verwendet.

Beispiel indirektes Zitat:

Dabei misst er dem Lebenswillen oder auch dem seelischen Antrieb, in Relation zur physischen Belastbarkeit, eine übergeordnete Bedeutung zu (vgl. Aurel 1981, S. 100).

Dabei gilt es zu beachten, dass die Quellenangabe grundsätzlich innerhalb des Satzes steht und nicht an diesen angehängt wird. Bei direkten Zitaten erfolgt sie direkt im Anschluss an die Anführungszeichen, bei indirekten am Ende des Satzes, jedoch stets vor dem Satzzeichen.

Weitere Anwendungsbeispiele

Die Grundformen werden je nach Anzahl der Autoren, sowie der Art der Veröffentlichung weiter angepasst:

Zwei Autoren eines Werkes:

Bei mehreren Verfassern werden diese durch einen Schrägstrich voneinander getrennt.

Beispiel:

(Edmüller/Wilhelm 2005, S. 31)

Mehrere Autoren eines Werkes:

Waren darüber hinaus noch weitere Autoren an der Veröffentlichung beteiligt, werden diese allesamt angegeben und mit Schrägstrichen getrennt.

Beispiel:

(vgl. Rues/Redecker/Koch/Wallraff/Simpson, S. 37)

Mehrere Autoren mehrerer Werke:

Hierbei erlaubt die Harvard-Zitierweise die Nennung beider Werke in derselben Klammer. Vorwiegend kommt dies bei indirekten Zitaten zur Anwendung, kann jedoch seltener auch dazu dienen, mehrere Belege zur Verdeutlichung anzuführen. Dabei werden diese grundsätzlich durch ein Semikolon voneinander getrennt.

Schema:

(vgl. Nachname Veröffentlichungsjahr, S. Seite; Nachname Veröffentlichungsjahr, S. Seite)

Sammelbände und Zeitschriften:

Bei einer Veröffentlichung in einem Sammelband wird bei der Quellenangabe im Text verfahren, als ob es sich um eine Monografie oder auch ein Werk mehrerer Verfasser handeln würde. Die Präzisierung bezüglich des Gesamtwerks oder der Zeitschriftenausgabe erfolgt erst später im Literaturverzeichnis.

Beispiele:

(Porges/Schertier/Bunk 2021, S. 48)

(vgl. Bittner 1984, S. 103)

Internetquellen:

Unabhängig davon, dass es sich um kein gedrucktes Medium handelt, wird auch hier auf eine weiterführende Kennzeichnung verzichtet. Die Quellangabe erfolgt unter Angabe von Nachname des Verfassers und dem Veröffentlichungsjahr.

Beispiel:

(Dietrich 2009)

Veränderungen und deren Kenntlichmachung

Veränderungen und deren Kenntlichmachung

Da die Quellangabe darauf ausgelegt ist, den Lesefluss nach Möglichkeit nicht zu behindern, gilt dies ebenso für die verwendeten Zitate. Dabei ist jedoch jede Form der Veränderung optisch kenntlich zu machen. Selbstverständlich darf durch eine Änderung der ursprüngliche Sinn nicht verfälscht werden.

Auslassungen:

Wird ein Teil des ursprünglichen Zitates gekürzt, so ist diese Auslassung an der betreffenden Stelle mithilfe eckiger Klammern anzuzeigen, welche drei Punkte umfassen. Dies gilt auch, wenn dabei das Satzende gekürzt wird.

Beispiel:

„Mit den erwähnten Märkten sind Lebensmittelmärkte verbunden, […] diese aber auf besonderen Plätzen außerhalb der Stadt, […]“ (Morus 1985, S.75)

Veränderungen:

Analog werden auch eigene Abwandlungen durch eckige Klammern angezeigt. Dies geschieht ebenfalls zur Verbesserung der Lesbarkeit. Zumeist geschieht dies in Form von Abwandlungen wie vom Singular auf den Plural oder durch Konjugation eines Verbs.

Beispiel:

Dabei betonen die Autoren explizit: „Der Handlungsplan [sei] eines der wichtigsten Instrumente der Moderation.“ (Edmüller/Wilhelm, S. 83)

Anmerkungen:

Werden explizite Anmerkungen durch den Verfasser gemacht, die beispielsweise zur Präzisierung oder Klarstellung dienen, so werden diese ebenfalls durch eckige Klammern umschlossen. Darüber hinaus werden sie zusätzlich als solche gekennzeichnet. Dadurch wird kenntlich gemacht, dass der Inhalt der Klammer nicht aus der Quelle entnommen wurde, sondern diese erläutert ohne das ursprüngliche Zitat gänzlich umstellen zu müssen.

Beispiel:

„Sie [Anm. d. Verf.: die Kritische Theorie] sollte ein skeptisches Gegenstück sein zu einem rein optimistischen Vertrauen auf die Vernunft.“ (Dietrich 2009)

Verbesserungen:

Enthält die zitierte Textstelle einen offensichtlichen Fehler in Bezug auf Grammatik oder Orthografie, so muss das Zitat dennoch in korrekter Weise wiedergegeben werden. Dabei wird dem betreffenden Wort ein „sic“ mit Ausrufezeichen in eckigen Klammern nachgestellt.

Dies ist ein redaktioneller Hinweis, der sich aus dem lateinischen ableitet und „so“ oder gar „wirklich so“ bedeutet. Bei Texten, die sich noch der alten Rechtschreibung bedienen, wird aus Gründen der Lesbarkeit jedoch gemeinhin auf eine Kennzeichnung verzichtet.

Literaturverzeichnis

Literaturverzeichnis

Dem Literaturverzeichnis kommt besondere Bedeutung zu. Während die Quellenangaben im Harvard-Style auf eine möglichst gute Lesbarkeit abzielen, muss das Literaturverzeichnis eine detaillierte Angabe der genutzten Ausgabe verzeichnen.

Das grundlegende Schema nutzt dabei den Nachnamen des Autors und mindestens den abgekürzten Anfangsbuchstaben des Vornamens, gefolgt vom Veröffentlichungsjahr in runden Klammern. Danach folgen Angaben zum Titel, dem Verlagsort und Verlag. Weitere Angaben wie beispielsweise Sammelband, Internetlink oder auch Jahrgang, Nummer und gegebenenfalls Seitenangaben bei Zeitschriften werden anstatt dem Verlagsort und Verlag ergänzt.

Dabei werden diese zumeist durch weitere Angaben wie „In:“ oder „Link:“ zusätzlich gekennzeichnet. Online Quellen sollten zudem stets mit dem Datum des letzten Aufrufs gekennzeichnet werden.

Schema:

Nachname, Vorname (Veröffentlichungsjahr): Titel. Untertitel. Verlagsort: Verlag.

Beispiele:

Dante (1974): Die Göttliche Komödie. Frankfurt am Main: Insel Verlag.
Schütz, Alfred (1974): Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt. Eine Einleitung in die verstehende Soziologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag.
Aurel, Marc (1981): Selbstbetrachtungen. Essen: Magnus-Verlag.
Edmüller, A. / Wilhelm T. (2005). Moderation. Planegg: Rudolf Haufe Verlag GmbH & Co KG.
Rues, Beate / Redecker, Beate / Koch, Evelyn / Wallraff Uta / Simpson Adrian (2007): Phonetische Transkription des Deutschen. Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co KG.
Porges, L. / Schertler, O. / Bunk, M. (2021): Alter Soldat. Das sowjetische Gorjunow MG SG-43. In: Clausewitz, Jahrgang 11, Nr. 1, S. 46 – 49.
Bittner, Günther (1984): Gehorsam und Ungehorsam. In: Flitner, A. / Scheuerl, H. (Hrsg.): Einführung in pädagogisches Sehen und Denken. München: R. Piper & Co. Verlag.
Dietrich, Kirsten (2009): Die religiöse Wende des alten Philosophen. Link: https://www.deutschlandfunkkultur.de/die-religioese-wende-des-alten-philosophen.950.de.html?dram:article_id=137899 [Stand: 23.05.2021]
Morus, Thomas (1985): Utopia. Stuttgart: Reclam

Weitere gebräuchliche Regeln und Vereinfachungen:

Um dem Verfasser die Gestaltung seines Textes zu erleichtern, gibt es weiterhin eine Vielzahl von verschiedenen Regeln, die als gemeinhin gültig angenommen werden. Auch bei diesen steht wieder die Lesbarkeit im Fokus. Im Zweifelsfall entscheidet jedoch die individuelle Vorgabe der Hochschule über die Verwendung. Die gebräuchlichsten sind:

  • Mehrere Autoren können außer durch einen Schrägstrich oftmals auch durch ein Semikolon oder das Wort „und“ getrennt werden.
  • Bei mehr als zwei Autoren besteht zumeist die Möglichkeit, alle Verfasser nach dem ersten mit „et al.“ zusammenzufassen. Das lateinische „et alii/et aliae/et aliaa“ entspricht dabei dem deutschen Kürzel „u. a.“.
  • Wird eine Quelle mehrfach zitiert, ohne dass sich zwischenzeitlich weitere Zitate im Text finden, so kann ab dem zweiten Zitat (ebd.) oder (vgl. ebd.) für „ebenda“ eingefügt werden.
  • Werden besonders lange direkte Zitate eingefügt, so werden sie gemeinhin um 1 cm eingerückt. Weiterhin wird der Zeilenabstand auf einfach gesetzt und der Schriftgrad zudem um eine Größe verringert. Lange Zitate beginnen ab 40 Wörter.
  • Fußnoten werden im Harvard-Style soweit möglich vermieden. Lediglich wenn weitere wichtige Anmerkungen an der betreffenden Stelle notwendig erscheinen, die im Text jedoch zu ausführlich wären, greift man auf diese zurück. Für Quellenangaben werden sie generell im Rahmen der Harvard-Zitierweise nie verwendet.

Prof. Dr. Conrad Rüth

Autor, Doctor

Coach, Professor Doktor Conrad Rüth hat Professur für Internationale Wirtschaftsbeziehungen bekleidet und Lehrstuhlvertretungen in Frankfurt und Berlin innegehabt. Jetzt leitet er den Akademily Blog sowie alle Veröffentlichungen, Änderungen und Sonderaktionen auf unserer Webseite.