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Wissenschaftliche Hypothesen der Bachelorarbeit sowie der Masterarbeit: der Weg zur zielgerichteten Forschung

Veröffentlicht
16.01.2021
Erneut
14.10.2021

Die Vermutung, die zu Beginn einer empirischen Untersuchung aufgestellt wird, bezeichnet man als Hypothese. Diese muss bei wissenschaftlichen Arbeiten begründet sein und außerdem weitere Kriterien erfüllen.

Die umgangssprachliche Übersetzung „Spekulation“ hat somit mit dem Begriff Hypothese im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Arbeiten nichts zu tun. Die Aufstellung von Hypothesen ist wesentlicher Bestandteil von Masterarbeiten und Bachelorarbeiten.

Wesentliche Anforderungen an Hypothesen wissenschaftlicher Arbeiten

Die nachstehenden Anforderungen zielen darauf ab, dass die Hypothesen durch empirische Untersuchungen prüfbar sind:

Messbarkeit der Variablen

Hypothesen beziehen sich immer auf empirisch nachgehaltene sowie messbare Sachverhalte. Beispielsweise können Medikamente an Probanden getestet werden. Damit kann die Hypothese formuliert werden, dass Medikament xy bei Männern häufiger zu Bluthochdruck führt als bei Frauen. Alle Variablen sind messbar.

Im Vergleich dazu kann die Behauptung, dass Medikament A geschmacklich angenehmer ist als Medikament B keine Hypothese im wissenschaftlichen Sinne sein. Geschmack ist eine subjektive Wahrnehmung und somit nicht messbar.

Hypothesen sind Allaussagen

In dem obigen Beispiel wird von Männern gesprochen und nicht von einem einzelnen Mann. Dies ist exemplarisch für Hypothesen, da sie immer alle Objekte einer spezifischen Gruppe betreffen. Es wird daher von Allaussagen, Allsätzen oder Generalisierbarkeit gesprochen.

Formulierung als Bedingungssatz

Hypothesen werden in Form „Wenn-dann“ oder „Je-desto“ formuliert. Das bedeutet, es wird generell eine Bedingung vorgegeben.

Beispiel: „Je häufiger soziale Medien genutzt werden, desto höher sind Menschen von psychischen Erkrankungen betroffen“.

Oder: „Wenn man sich bei Frost im Freien aufhält, dann steigt der Puls“. Der Satzbau wird auch als Konditionalsatz bezeichnet.

Widerlegbarkeit der wissenschaftlichen Annahmen

Die als Falsifizierbarkeit bezeichnete Eigenschaft einer wissenschaftlichen Hypothese bedeutet, dass eine Aussage niemals verifiziert werden kann. Ein absoluter Beweis wäre, wenn alle Fälle der Vergangenheit sowie in der Zukunft untersucht werden können und das Ergebnis bestätigt wird.

Dies ist verständlicherweise unmöglich. Die Hypothese, dass der Puls im Freien steigt, ließe sich mit einem einzigen Fall, bei dem der Puls gleich bleibt, widerlegen.
Wichtig: Wissenschaftliche Hypothesen sind grundsätzlich falsifizierbar

Mehrere Hypothesen dürfen sich nicht widersprechen

Widersprüche schleichen sich sowohl in mehreren als auch innerhalb einer Hypothese ein. Dies passiert bei komplexen Themen oft unbemerkt. Das bedeutet bei der Hypothese, dass bei Männern das Medikament xy grundsätzlich zu Bluthochdruck führt: Der Verfasser kann nicht gleichzeitig von Regionen berichten, in denen dies nur auf Frauen zutrifft.

Prägnante, sachliche und objektive Formulierungen

Hypothesen beschreiben den Kern der eigenen Forschungsarbeiten. Sie gehören damit prinzipiell in Bachelorarbeiten wie Masterarbeiten. Eine der Herausforderungen besteht darin, damit Interesse an der wissenschaftlichen Arbeit zu wecken und gleichzeitig objektiv und sachlich zu bleiben. Der Ausdruck der eigenen Meinung muss daher zurücktreten.

Beispiel: „Die Nebenwirkungen des Medikaments xy zeigen, dass meines Erachtens immer eine Reihe von Nebenwirkungen verschwiegen werden“.

Dies mag eine nachvollziehbare Kritik sein, ist jedoch die persönliche Meinung eines Einzelnen. Sie ist nicht objektiv und ebenso nicht messbar.

Wesentliche Anforderungen an Hypothesen wissenschaftlicher Arbeiten

Hypothesen für Bachelorarbeiten sowie Masterarbeiten aufstellen und formulieren

Die Wahl einer sinnvollen Fragestellung ist eine wichtige Vorarbeit, um darauf aufbauend die passende Hypothese der Bachelorarbeit oder Masterarbeit zu formulieren.

Um für eine wissenschaftliche Arbeit die passende Hypothese zu formulieren, ist die Wahl einer sinnvollen Fragestellung eine wichtige Vorarbeit. Noch nicht oder wenig untersuchte Aspekte des Themas eignen sich dazu am besten.

Die Formulierung einer Hypothese setzt Expertenwissen voraus. Aus diesem Grund ist die qualifizierte Recherche vorliegender Forschungsergebnisse zum Thema, insbesondere zur Fragestellung, unabdingbar.

Aus den vorliegenden Ergebnissen bietet sich die Entwicklung der Hypothese in zwei Schritten an:

  1. Die ungerichtete Hypothese
    Beispiel: „Die Auswirkungen auf den Blutdruck des Medikaments xy sind vom Geschlecht abhängig“.
  2. Die gerichtete Hypothese

Beispiel: „Bei Männern kommt es bei Einnahme des Medikaments xy zu erhöhtem Blutdruck“.

Wichtig: Die Hypothese muss in allen Punkten nachprüfbar sein.

An diesem Beispiel wird der Unterschied zwischen These und Hypothese deutlich: Die These ist eindimensional. Im Gegensatz dazu besteht die Hypothese aus zwei Variablen, die in Beziehung zueinander gesetzt werden (Medikament und Geschlecht).

Hypothesen liefern prinzipiell mehr als der aktuelle Wissensstand hergibt. Sie sind somit nicht zweifelsfrei abgesichert, sondern werden innerhalb Bachelorarbeiten wie Masterarbeiten durch empirische Untersuchungen und Analysen der Daten überprüft. Dabei zeigt sich gleichzeitig, ob die eigene Theorie einsetzbar ist.

Hypothesen für Bachelorarbeiten sowie Masterarbeiten aufstellen und formulieren

Inhalte zählen – die verständliche Ausdrucksweise stellt sicher, dass sie ankommen

Die knappe Botschaft kommt erwiesenermaßen am besten an. Das trifft ebenso auf die Formulierung der Hypothese zu. Komplizierte und lange Sätze lenken von der eigentlichen Fragestellung ab.

Eine sachliche Sprache und die Beachtung folgender Ausdrucksweisen sind für Hypothesen angemessen:

  • keine Schachtelsätze
  • gestelzte, abgehobene Schreibweise vermeiden
  • keine Umgangssprache
  • unpassende Wahl der Wörter
  • Mehrwerte schaffen, statt bekannte Tatsachen formulieren

Die Formulierung der Hypothesen einer Bachelorarbeit oder einer Masterarbeit kennt zwei Wege: den induktiven und den deduktiven. Bei der induktiven Vorgehensweise wird nach eigenen Forschungsergebnissen eine Theorie entwickelt.

Die Forschung beschäftigt sich mit dem Einzelfall, was auch als qualitative Forschung bezeichnet wird. Der deduktive Weg überprüft eine bestehende Theorie mit der eigenen Forschungsmethode. Daher ist dieser vor allen Dingen bei empirischen Untersuchungen geeignet. Da hierbei die Theorie mit vielen Fällen überprüft wird, spricht man von der quantitativen Forschung.

Hypothesen prüfen

Studierende sind gut beraten, sich intensiv mit der Formulierung von Hypothesen zu beschäftigen und aufgestellte Hypothesen kritisch zu hinterfragen. Dazu gehört, diese zu testen. Die Mittel dazu sind die Nullhypothese und Alternativhypothese.

Am Beispiel der Auswirkung des Medikaments xy auf den Blutdruck bei Männern kann die Nullhypothese lauten: „Die Einnahme des Medikaments xy hat keine Auswirkung auf den Blutdruck“.

Die anschließende Alternativhypothese lautet: „Die Einnahme des Medikaments xy führt bei Männern zu niedrigerem Blutdruck“. Beide Formulierungen lassen sich mit statistischen Mitteln prüfen.

Bachelorarbeiten oder Masterarbeiten: Einfügen der Hypothesen

Es bietet sich an, die Hypothese gleich in der Einleitung zu formulieren. Dies ist eine der Möglichkeiten, sie in die Arbeit einzubauen. Ebenso ist der Abschnitt der Literaturhinweise ein geeigneter Platz.

Wichtig ist in jedem Fall, im Fazit nochmals auf die Hypothese einzugehen. Hier ist eine sehr gute Gelegenheit, den Leser über das Ergebnis zu informieren und gleichzeitig die Begründung zu liefern.

Forschungsfrage & Hypothesen aufstellen – So wird es gemacht

Prof. Dr. Conrad Rüth

Autor, Doctor

Coach, Professor Doktor Conrad Rüth hat Professur für Internationale Wirtschaftsbeziehungen bekleidet und Lehrstuhlvertretungen in Frankfurt und Berlin innegehabt. Jetzt leitet er den Akademily Blog sowie alle Veröffentlichungen, Änderungen und Sonderaktionen auf unserer Webseite.